02.02.2020

Schüler auf den Spuren der salischen Könige und Kaiser


Nachdem die Schüler der Klasse 8c im Rahmen des Geschichtsunterrichts die Herrschaftsfamilie der Salier thematisiert hatten, machten sie sich zusammen mit ihrem Klassen -und Geschichtslehrer Marcel Griesang auf zum Speyrer Dom. Dieser war im 11. Jahrhundert vom ersten großen salischen Herrscher, Konrad dem II., als Grabstätte für die Familie begonnen worden. Der monumentale Bau musste dabei am Rande der Stadt Speyer gebaut werden da ansonsten ein Teil der Stadt, aufgrund des enormen Platzes den er benötigte hätte, hätte abgetragen werden müssen. Der Dom, welcher im romanischen Stil errichtet wurde, war seinerzeit die größte bekannte Kirche der Welt. Beim Betreten des Bauwerks wurde den Schülern unmittelbar die Macht, die die Salier mit diesem ausstrahlen wollten, bewusst. Um die Dimensionen des Domes zu verdeutlichen reichen wohl folgende Zahlen gänzlich aus. So besitzt der Dom eine Gesamtlänge von 134 Metern. Die Höhe des Mittelschiffs beträgt alleine 33 Meter. Die Osttürme weisen eine Höhe von rund 71 Metern auf, während die Westtürme 65 Meter hoch sind. Durch diese Ausmaße ist der Dom bis heute weithin sichtbar. Im Mittelalter ließ er schon aus der Ferne auf die Macht der Erbauer schließen.
Die Bauarbeiten überdauerten dabei zwei Herrscher. So sollten weder Konrad der II, noch sein Sohn Heinrich der III., das Ende der Bauarbeiten zeitlich überdauern. Erst der Enkel des ersten salischen Kaisers, die Rede ist dabei von Heinrich dem IV., sollte das Bauwerk ganz nach seinem Geschmack vollenden. Heinrich der IV. vergrößerte den Dom dabei noch um einiges. So ließ er einen Rundbogengang auf dem eigentlich Dach des Domes bauen, weswegen eine Erhöhung von drei Metern durchgeführt werden musste. Dieser Gang ermöglicht es noch heute den Dom in luftiger Höhe zu umrunden. Sein Selbstbewusstsein sollte Heinrich IV. nicht nur mit dem Dombau zum Ausdruck bringen. Auch im Kampf mit dem Oberhaupt der Kirche, Papst Gregor VII., um die Einsetzung von Kirchenämtern, ging er ein riskantes Wagnis ein. Durch den ihm aufgelegten Kirchenbann stand er kurz vor dem Verlust seiner Macht. Erst durch den Gang zur Burg Canossa, mitten im Winter, um dort den Papst um Vergebung zu bitten, konnte er einen Verlust seiner Macht zunächst noch abwenden. Später dann sollte ihn sein Sohn, auch unter Druck der Fürsten, in Bingen verhaften und absetzen lassen. Heinrich der V. war dann der letzte Salier. Mit seinem Tod, da ohne Sohn, erlosch dann die unmittelbare Herrscherlinie der Salier.
Über dem Altar konnten die Schüler eine überdimensional große Krone sehen. Diese ist eine originale Nachbildung der Kaiserkrone der Salier, wie man sie im 19. Jahrhundert bei der Öffnung der Königs -und Kaisergräber in der Krypta des Domes vorfand. Konrad der II. hatte die Krypta direkt unter dem Hauptaltar bauen lassen, um so nah wie möglich am göttlichen Geschehen zu sein. Über diese Krypta, die zunächst freiliegend war und von den Besuchern der Messe eingesehen werden konnte, wurde dann mit der Zeit eine riesige Treppe hinauf zum Chorraum gebaut.
Insgesamt vier Kaiser und drei Kaiserinnern, sowie mehrere Könige und wichtige Geistliche, wurden in der 46 Meter langen Krypta begraben. Sie stellt dabei den ältesten Teil des Domes dar, der auch schon von Beginn an genutzt wurde. Hier hielten zum Teil sieben Priester an den dafür vorgesehenen Altären die heilige Messe mehrmals täglich ab. Den Weg zur eigentlichen Grabkammer „bewacht“ eine lebensgroße Darstellung des Habsburger Königs Rudolf von Habsburg. Zu seinen Lebzeiten im 13. Jahrhundert sollte es schlimme Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung geben. Selbst durch seine Intervention sollten diese nur bedingt zum Erliegen kommen. Die Tatsache, dass sich hier auch ein Herrscher der Habsburger bestatten ließ, zeugt von dem Umstand, dass auch die Herrscher folgender Königsgeschlechter sich in der Nachfolge der Salier und ihrer Vorgänger sahen. So finden sich in der Gruft auch Gräber der Staufer, der bereits erwähnten Habsburger und Nassauer. Über 200 Jahre nach den Saliern sollten sich noch Könige und Kaiser dort begraben lassen, wodurch diese Grablage zur bedeutendsten Deutschlands wurde. In dieser Reihe lassen sich wohl nur noch die Grablagen der französischen Könige in St. Denis bei Paris, der spanischen Könige bei Madrid und er englischen Könige in der Westminster Abbey in London von ihrer Bedeutung her nennen.
Folgende Könige und Kaiser wurden in der Gruft zu Speyer begraben:
Kaiser Konrad der II. zusammen mit seiner Frau Kaiserin Gisela
Kaiser Konrad III.
Kaiser Heinrich der IV. zusammen mit seiner Frau Berta
Kaiser Heinrich der V.
König Philipp von Schwaben, Sohn des Stauferkaisers Friedrich I. (Barbarossa)
Kaiserin Beatrix (die Frau von Friedrich Barbarossa) zusammen mit ihrer kleinen Tochter Agnes
König Rudolf von Habsburg
König Albrecht von Österreich
König Adolf von Nassau
Friedrich Barbarossa sollte ursprünglich auch in Speyer bestattet werden. Dies fand aber aufgrund seines unglücklichen Todes, der große staufische Kaiser ertrank auf dem Heimweg vom 3. Kreuzzug, nie statt.
Nach einer rund 90 minütigen Führung verließen die Schüler den Speyerer Dom mit vielen Eindrücken, die die im Unterricht besprochenen Ereignisse rund um das Herrschergeschlecht der Salier noch weiter vervollständigten.
Neben dem Besuch des Speyerer Doms, begaben sich die Schüler der 8c außerdem noch auf die Spuren des jüdischen Speyer. So suchten sie die ehemalige Judengasse in unmittelbarer Nähe des Domes auf, wo man heute noch eine der letzten mittelalterlichen Mikwen (Ritualbad) besichtigen kann. Daran angrenzend sieht man auch noch die Überreste der mittelalterlichen Synagoge, die im Rahmen einer der vielen Pogrome im 14. Jahrhundert zerstört wurde. Damals hatte man unter dem Vorwurf, dass die Juden für die damals wütende  Pest verantwortlich seien, gegen sie einen gewaltsamen Aufstand durchgeführt. Für Verwunderung sorgte bei den Schülern das Polizeiauto vor den jüdischen Einrichtungen. Dieses ist seit den Ereignissen von Halle, bei denen ein bewaffneter am Tag des höchsten jüdischen Festes Jom Kippur sich versuchte zur dortigen Synagoge Eintritt zu verschaffen, um einen Anschlag zu begehen, leider auch in Deutschland, 75 Jahre nach dem Ende des verbrecherischen Naziregemies, wieder zur traurigen Notwendigkeit geworden.

Text: Marcel Griesang