Geschichts-AG/ Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage

Im Rahmen der Geschichts-AG, beschäftigen wir uns mit vielen verschiedenen Themen die deutsche Geschichte betreffend. Ein Großteil der Themen fällt dabei in den Zeitraum des Nationalsozialismus zwischen 1933-1945. Speziell die Verfolgung der europäischen Juden, auch in der Region Bingen, und ihre Ermordung werden in der AG thematisiert.
Im Rahmen der AG wird aktiv an Projekten gearbeitet und es werden außerschulische Lernorte besucht. Neben der Pflege des jüdischen Friedhofs oder der verlegten Stolpersteine in Bingen (diese erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus), nehmen die Schüler auch aktiv an gewissen Gedenktagen teil. Jedes Jahr zum Beispiel an der Erinnerungsveranstaltung zur Reichspogromnacht in Bingen (1938 fanden Anschläge auf jüdische Geschäfte und Synagogen statt) oder der Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag (an diesem Tag wird den Opfern aller Kriege gedacht).
Viele Projekte werden in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Jüdisches Bingen durchgeführt. Dieser ist seit dem Jahr 2019 auch direkter Schulpartner.
Darüber hinaus werden im Rahmen der AG auch Fahrten durchgeführt. Im letzten Jahr fuhren Schüler der AG zum Beispiel ins ehemalige Konzentrationslager nach Buchenwald, nach Verdun oder in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen. Auch Zeitzeugengespräche finden in regelmäßigen Abständen in den AG Stunden und für die gesamte Schülerschaft statt. Die zentrale Planung dafür erfolgt im Rahmen der AG.
Im letzten Schuljahr hat ein Teil der AG Teilnehmer den Vorschlag gemacht, am Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ teilzunehmen. Mittlerweile sind wir Teil des Netzwerks gegen Rassismus und Ausgrenzung geworden und versuchen aktiv ein harmonisches Klima in unserer Schule durch gemeinsame Aktionen zu schaffen. Unser Schulpate ist Herr Gundlach, Vorsitzender des Arbeitskreises Jüdisches Bingen.
Über einen Teil der bisherigen Fahrten und Aktionen kann man sich in den folgenden Artikeln ein Bild machen.

Text: Marcel Griesang

ZEITZEUGE ZU GAST AN DER ROCHUS-REALSCHULE BINGEN

 

Etwa 100 Schüler der 9. Klasse Berufsreife  und 10. Klassen hatten die Gelegenheit der Lebensgeschichte von Herrn Dr. Heidecker aus Bingen zuzuhören. Herr Dr. Heidecker wurde 1927 in der schlesischen Stadt Glogau geboren. Dort wuchs er als Sohn eines Ärzteehepaares auf. Das Zusammenleben mit den jüdischen Einwohnern beschrieb er den Schülern als sehr harmonisch. Viele jüdische Familien hatten einen ausgezeichneten Ruf und die jüdische Gemeinde im Gesamten gesehen einen großen Anteil am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. So war eine außergewöhnlich hohe Zahl der Anwälte und Ärzte jüdischen Glaubens. Auch große Warenhäuser befanden sich in Händen jüdischer Familien.

Das Klima, so Herr Dr. Heidecker, änderte sich dann jedoch mit Machtantritt der Nationalsozialisten. Im Jahr 1934 sah er eine Gruppe Jugendlicher in blauen Uniformen durch die Straßen Glogaus ziehen. Als er seine Mutter fragte, wer diese denn seien, erwiderte sie ihm, dass es sich um eine Gruppe jüdischer Pfadfinder unter der Leitung des Lungenarztes Dr. Lindemann handele. Dieser war als Arzt sehr anerkannt und im Ort und weit darüber hinaus sehr beliebt gewesen. Ein Jahr später, Ende 1934, fragte die Mutter, ob sich ihr Sohn noch an Dr. Lindemann erinnern könne, denn dieser sei von Nationalsozialisten in den Wald gelockt und dort im Rahmen der Morde in Verbindung mit dem angeblichen Putschversuch der SA unter Ernst Röhm ermordet worden.

Auch von den Tätigkeiten der sogenannten Euthanasiemorde wusste der ehemalige Chef der chirurgischen Abteilung des Binger Krankenhauses den anwesenden Schülern zu berichten. So führte er aus, dass er als Junge auf dem Fahrrad Schriften der hohen Geistlichen der katholischen Kirche, wie etwa Clemens August von Galen, ausfuhr, in denen diese die Morde an Menschen mit Behinderungen anprangerten. Im vorherrschenden Klima der Angst, das auf die strengen Gesetze und die permanente Bespitzelung der Nazis zurückzuführen war, traute man sich nicht mehr diese offen zu verteilen.

Eine weitere Erinnerung Herr Dr. Heideckers hatte etwas mit den Geschehnissen im Rahmen der sogenannten Reichspogromnacht zu tun. Damals wurde ihnen in der Schule verboten zur Synagoge zu gehen. Diese stand zu diesem Zeitpunkt schon in Flammen. Die Nationalsozialisten, so der Zeitzeuge, wollten den Bürgern damals vorgaukeln, dass sich in diesen Tagen der Volkszorn gegen die jüdische Bevölkerung angeblich spontan ausgebreitet hatte. Dass dies nicht stimmte, war ihm jedoch auch als Jugendlicher direkt bewusst. So wusste die Mutter seines Freundes, die im unmittelbar neben der Synagoge gelegenen katholischen Krankenhaus wegen einer OP verweilte, den Jungen zu berichten, dass die Feuerwehr bereits Tage zuvor Brandschutzübungen durchgeführt hatte. Diese sollten verhindern, dass bei einer Brandlegung das Krankenhaus mit in Flammen aufging.

Eine weitere Begebenheit hatte auch mit den schrecklichen Tagen im November 1938 zu tun. Zu dieser Zeit schauten sich seine Eltern die Villa des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Sally                   Jakobsohn an, da dieser sie zum Verkauf angeboten hatte. Dr. Heidecker konnte dabei hören, wie der Rechtsanwalt seinen Eltern die näheren Beweggründe für seine Entscheidung darlegte. Dieser hatte demzufolge abends Besuch von angeblichen Klienten erhalten. Das Klopfen an der Tür war für ihn zunächst nichts Ungewöhnliches gewesen, da er ein kleines Büro in seiner Villa unterhielt. Als er aber ohne Hintergedanken die Tür öffnete, drängten ihn die Besucher direkt in die Wohnung und begonnen ihn zu bedrohen und zu schlagen. Für den Rechtsanwalt war dies ein Ereignis, das ihm klar vor Augen führte, dass er und seine Familie Deutschland so schnell wie möglich verlassen mussten, bevor noch etwas Schlimmeres geschehen würde.

Von einem „schönen“ Ereignis, in Zeiten in denen es eigentlich Hohn ist von einem solchen zu sprechen, wusste er bezüglich seiner Eltern zu berichten. Diese waren, wie bereits erwähnt, beide als Ärzte tätig und gegen die Nationalsozialisten. So behandelten sie noch bis zum Schluss die zu diesem Zeitpunkt schon in sogenannten Judenhäusern eingesperrten jüdischen Bewohner Glogaus. Die Dankbarkeit gegenüber seinen Eltern war daher noch nach dem Krieg so groß, dass eine der früheren Patientinnen sich nach dem Krieg, nachdem sie das Martyrium diverser Konzentrationslager überstanden hatte, auf die Suche nach seiner Mutter machte, nur um ihr ihren Dank mitzuteilen.

Herr Dr. Heidecker unterstrich am Ende des 1. Teils seiner Ausführungen welch enormer geistiger und kultureller Verlust Deutschland durch die nahezu vollständige Vernichtung der jüdischen Bevölkerung widerfahren sei. So befanden sich alleine unter 14 schlesischen Nobelpreisträgern 6 jüdischen Glaubens. Auch einer der führendsten Ärzte im Bereich der Arbeit mit querschnittsgelähmten Menschen, Herr Dr. Johannes Guttmann, hatte Deutschland aufgrund seines Glaubens und der Zerstörung seiner Existenz verlassen müssen. Später dann trug er in England dazu bei, dass Menschen die bis zu diesem Zeitpunkt als hoffnungslose Fälle abgestempelt wurden, in erster Linie gelähmte englische Soldaten, wieder ein lebenswertes Leben führen konnten.

Ein zweiter Teil des Vortrags von Herrn Dr. Heidecker befasste sich mit seinen Erfahrungen als Flakhelfer bei der Luftwaffe und schließlich als Soldat bei der Wehrmacht.

Zuvor berichtete er den Jugendlichen noch davon, dass es zur damaligen Zeit unmöglich war sich den nationalsozialistischen Organisationen komplett zu entziehen. So kam es auch dazu, dass er, der streng gläubige Katholik, eines Tages auch ohne es zunächst zu realisieren der HJ beigetreten war. Dies spielte sich so ab. Am Morgen betrat der Lehrer die Klasse und forderte die Jugendlichen dazu auf ein Dokument zu unterzeichnen. Er teilte es den Schülern ohne weiteren Kommentar aus. Als die Schüler seiner Aufforderung nachgekommen waren, sammelte er die Papiere wieder ein und teilte seiner Klasse mit, dass sie nun alle Mitglieder der Hitlerjugend im Jungvolk seien.

Um sich den Heimatabenden und Aktionen so oft wie möglich zu entziehen, unternahmen seine Eltern vor allem an den Wochenenden viel mit den Kindern. So hatte er dann auch eine Ausrede für das Fernbleiben. Eine kleine Strafe drohte ihm jedoch in Form des Tadels durch den Lehrer, der jeden Montag nach den HJ relevanten Tätigkeiten am Wochenende fragte.

Dass es kaum möglich war Widerstand zu leisten, hatte Herr Dr. Heidecker den Jugendlichen bereits zuvor dargelegt. Jedoch wusste er auch davon zu berichten, dass man trotzdem Wege zur Äußerung des Unmutes suchte. So wurden sie eines Tages alle zu einer Kundgebung eines hohen Nationalsozialisten versammelt. Doch anstatt ihm zuzuhören, skandierten sie über eine Stunde lang den Ausruf „heil“. Auch wenn dem Redner und den beteiligten Personen dies als eine Art Sabotageaktion erscheinen musste, konnten sie die Jungen aus zweierlei Gründen, so Herr Dr. Heidecker, im Nachhinein nicht bestrafen. Zum einen waren sie zu viele Jugendliche gewesen und zum anderen hatten sie ja laut ihrer Aussage nach nur ihre Begeisterung für den Führer Adolf Hitler zum Ausdruck gebracht.

In der Hitlerjugend kam Herr Dr. Heidecker dann zum Verband der Scheren. Diese waren eine Art Sanitätsabteilung. Andere Jugendliche gingen entweder zur Motor, der Flieger oder der Marine HJ. Alle Abteilungen sollten die Jugendlichen auf eine spielerische Art auf den zukünftigen Kriegseinsatz und den Kampf vorbereiten. Für Herrn Dr. Heidecker war diese Abteilung ein Glücksgriff, denn da er der einzige mit dieser Qualifikation war, konnte er sich die Einsätze selbst einteilen. Auf diese Weise konnte er sich den allgemeinen HJ Schulungsveranstaltungen noch mehr entziehen.

1943 dann wurde er als Flakhelfer zur Abwehr feindlicher Flieger nach Stettin abgeordnet. Dort erhielt er auch noch weitestgehend geordneten Unterricht, was ihm nach dem Krieg sehr helfen sollte. Der Lehrer, den er als einen seiner besten im gesamten unterrichtlichen Werdegang bezeichnete, stellte ihm am Ende der gemeinsamen Zeit nämlich die allgemeine Reife aus. Dieses Dokument, das seine Mutter während den Wirren der Flucht aus Schlesien am Kriegsende zusammen mit seinen übrigen Zeugnissen retten sollte, ermöglichte ihm nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft die Aufnahme eines Medizinstudiums. Ohne diese Zeugnisse wäre dieser Weg ihm womöglich verwehrt geblieben.

Anfang 1945 wurde er dann zum Militärdienst eingezogen. Die daran anschließenden Monate sollten sehr chaotisch werden. Nach nur drei Wochen, in denen die Jugendlichen an Gewehren und Geschützen ausgebildet worden waren, sollten sie schon in den Einsatz. Man schickte sie von einem Ort zum anderen ohne einen genauen Plan. Das viele Marschieren in nicht passenden Stiefeln führte dazu, dass Dr. Heidecker kaum noch laufen konnte. Daher war er erleichtert, als er eines Tages auf ein Pferdefuhrwerk klettern konnte, um somit seine Füße zu entlasten. Die Freude über die Erleichterung sollte jedoch nur von kurzer Dauer sein, denn plötzlich sah er von weitem eine Gruppe von amerikanischen Tieffliegern auf einen entlang der nahgelegenen Straße marschierenden Treck von Soldaten und Flüchtlingen zusteuern. Während sich seine Kameraden in die umliegenden Gräben warfen, verharrte er wie in Schockstarre auf dem Pferdewagen. Plötzliche scherte einer der Flieger aus und steuerte in direkter Linie auf ihn zu. Herr Dr. Heidecker blickte geradewegs in die Maschinengewehre des Flugzeuges. In diesem Moment war er sich eigentlich sicher zu sterben. Er haderte noch mit seiner Entscheidung nicht auch in den Graben gesprungen zu sein, als das Flugzeug das Feuer auf ihn eröffnete. In diesem Moment hörte er laut und deutlich die biblischen Worte „Ob tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich nicht treffen“. An seinem Arm spürte er gleichzeitig den Hauch einer Patrone, die am oberen Ende seiner Uniform wieder austrat. Als er die Augen wieder öffnete, war das Flugzeug schon abgedreht und ihm nichts geschehen. Die dem Wagen angespannten Pferde hingegen, waren von den Salven der Maschinengewehre durchlöchert worden. Für Herrn Dr. Heidecker war diese Erfahrung der Beweis für die Existenz Gottes gewesen, der ihn durch die biblischen Worte vor dem sicheren Tod bewahrt hatte.

Die letzten Schüsse, die er im Krieg abfeuerte, wird Herr Dr. Heidecker ebenfalls niemals vergessen. Diese waren das Ehrensalut für von den Amerikanern erschossene deutsche Soldaten. Diese hatten die Amerikaner als Vergeltung für einen deutschen Angriff aus dem Hinterhalt hingerichtet. Unter ihnen befand sich auch ein Dr. Heidecker bekanntes Brüderpaar. Noch heute, das konnten die Jugendlichen an seiner Stimme einige Male im Verlauf der Ausführungen  erahnen, nehmen diese Erfahrungen den Zeitzeugen emotional sehr mit.

Am Ende des Krieges, genauer gesagt am Tag der Kapitulation am 8. Mai, kam Herr Dr. Heidecker dann in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Zuvor hatte man ihm alles was er noch in seinen Taschen oder im Rucksack hatte abgenommen. Er besaß noch nicht einmal mehr ein zweites Paar Unterwäsche und es sollten über 8 Wochen vergehen bis er diese wieder wechseln konnte. Die Zustände auf den sogenannten Rheinwiesen, wo 1945 tausende Soldaten zusammengepfercht waren, beschrieb er als schrecklich.

Ein zweites für ihn und seinen Glauben an Gott wichtiges Ereignis ereignete sich nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft. Er hatte sich in der Hoffnung seine Mutter zu treffen nach Süddeutschland begeben. Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt seines Wissens nach in der sowjetischen Zone. Daher hatte er die Hoffnung auf ein baldiges Zusammentreffen mit ihm aufgegeben. Als er dann nach Regensburg kam, um von dort aus weiter seiner Mutter entgegen zu reisen, konnte er seinen Augen nicht glauben, als ihm seine Eltern begegneten. Es dauerte sogar eine Weile bis er seinen Vater als solchen erkannte. Das Schicksal hatte es seinen Eltern noch einmal ermöglicht, sich trotz der aufkommenden Streitigkeiten zwischen den Siegermächten und den generellen chaotischen Umständen der unmittelbaren Nachkriegsmonate zu treffen. Wäre Herr Dr. Heidecker wenige Minuten später in Regensburg angekommen, hätte er seinen Vater verpasst. Auch dieser schier unglaubliche Zufall bestärkte ihn in seinem Glauben.

Nach annährend 3 Stunden beendete der Zeitzeuge seine Ausführungen. Die anwesenden Schüler hatten ihm während der gesamten Dauer seines Berichtes mit großem Interesse zugehört. Wie gefesselt sie von seinen Schilderungen waren, zeigten auch die vielen tiefergehenden Fragen, die ihm noch gestellt wurden. Hiervon sei nur eine hervorgehoben. Eine Schülerin wollte von Herrn Dr. Heidcker wissen, wie er nach dem Krieg die traumatischen Erlebnisse verarbeitet habe. Der Zeitzeuge erwiderte daraufhin, dass auch dabei ihm sein Glaube an Gott half. Ohne diesen hätte er wohl ein normales Leben nicht mehr führen können.

An diesem Punkt sei auch Herrn Gundlach vom Arbeitskreis Jüdisches Bingen recht herzlich gedankt, der diese Begegnung mit Herrn Dr. Heidecker im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Geschichts-AG ermöglicht hatte.

Alle am Gespräch beteiligten Schüler werden die Ausführungen Herrn Dr. Heideckers definitiv nicht mehr vergessen und für sich hoffentlich wichtige Rückschlüsse in der Zukunft ziehen.

SCHÜLER SÄUBERN GRABSTEINE AUF JÜDISCHEM FRIEDHOF

 

Zusammen mit Herrn Gundlach, vom Arbeitskreis jüdisches Bingen und ihrem Lehrer Herrn Marcel Griesang, haben Schüler der Geschichts-AG Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof der Stadt Bingen gereinigt. Bei ihrer Arbeit wurden sie von Mitarbeitern der Stadt Bingen unterstützt. Auch die Handschuhe und übrigen Gerätschaften wurden ihnen zur Verfügung gestellt.


Der Binger Friedhof wurde zum ersten Mal im Jahr 1570 urkundlich erwähnt und weist eine Gesamtlänge von 265 Metern auf. Hier befinden sich über 1000 Grabsteine. Der älteste heute noch lesbare Stein stammt aus dem Jahr 1602. Nachdem man den Friedhof im Jahr 1856 weiter nach Westen vergrößert hatte, wurde in diesem Bereich auch eine Trauerhalle gebaut. Die Spaltung der jüdischen Gemeinde in eine orthodoxe und eine eher liberale Glaubensgemeinschaft, führte auch in der Folge zur Anlegung eines eigenen orthodoxen Friedhofsteils im Süd-Westen. Dieser Bereich wurde sogar durch eine Mauer vom Rest der Anlage abgetrennt. Interessant dabei ist die Tatsache, dass die Mauer nach außen nicht durchgängig eine gewisse Höhe aufweist, sondern an einer Stelle nur etwa einen Meter hoch ist. Dieser Umstand ist damit zu erklären, dass vor allem orthodoxe Juden einen Friedhof nicht gerne betreten. Für sie ist es ein „negativ“ belasteter Ort. Um aber trotzdem bei Begräbnissen und zum Gebet diesen Ort aufzusuchen, wurde eine Möglichkeit geschaffen, von außerhalb wichtige Rituale in Sichtweite des Geschehens zu vollziehen.


Die Mauer auf dem Friedhof selbst wurde nach der Annäherung der beiden Gemeinden im Jahr 1925 wieder beseitigt. Man ging sogar dazu über, unterhalb des orthodoxen Friedhofsteils gemeinsame Bestattungen durchzuführen. Heute findet man eine weitere Ebene unter diesem Bereich, der noch heute für Bestattungen genutzt wird. 
Die Schüler waren mit großem Interesse und Eifer bei der Arbeit. Besonderes Augenmerk zog ein Grab eines im 1. Weltkrieg eingesetzten Soldaten auf sich. Dieses Grab ziert eine Pickelhaube und der Name des damaligen Truppenteils des Soldaten. Der hier bestattete ehemalige Soldat, musste offensichtlich sehr stolz auf seinen Militärdienst in der damaligen kaiserlichen Armee gewesen sein. Zu dieser Annahme passt, dass sich viele ehemalige jüdische Soldaten bis zu ihrer Deportation 1942 beharrlich geweigert hatten Deutschland zu verlassen, da sie im 1. Weltkrieg für ihr Vaterland ihr Leben riskiert hatten. Jedoch hatten sie sich schon vor der Zeit des Nationalsozialismus Anfeindungen gefallen lassen müssen, da es schon kurz nach dem Ende des 1. Weltkriegs Untersuchungen gab, die belegen sollten, dass jüdische Soldaten sich vor dem Kriegsdienst gedrückt hätten. Natürlich führten diese Untersuchungen für ihre Initiatoren zu einem unbefriedigten Ergebnis. 
Außerdem sahen die beteiligten Schüler bei ihrer Tätigkeit noch den Löwenkopf, der sich früher über dem Eingang der Synagoge in der Rochusstraße befunden hatte. Diesen hatten Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht 1938 abgeschlagen und im Anschluss die Synagoge geschändet. Bis heute liegt dieses Zeugnis der früheren jüdischen Gemeinde auf dem Friedhof im Bereich des Eingangs.
Im Rahmen der Schulkooperation mit dem Arbeitskreis jüdisches Bingen werden sich Schüler der Geschichts-AG in regelmäßigen Abständen zusammen mit Mitarbeitern der Stadt um die Pflege des jüdischen Friedhofs kümmern und zum Erhalt dieses einmaligen Kulturgut beitragen.

Text: Marcel Griesang

 

SCHÜLER GEDENKEN DER OPFER DER REICHSPOGROMNACHT IM JAHR 1938

Am 10. November 1938 gaben die Nationalsozialisten deutschlandweit und auch im bereits wieder „angeschlossenen“ Österreich den Geheimbefehl zu Ausschreitungen gegenüber jüdischen Mitbürgern. Anlass zu dieser Aktion bot das Attentat des erst 18-jährigen Herschel Grünspan auf den deutschen Legationssekretär Ernst vom Rath in Paris. Die Gründe für das Handeln des bereits drei Jahre zuvor aus Deutschland geflohenen jüdisch gläubigen jungen Mannes waren lange im Unklaren. Heute geht man jedoch davon aus, dass die Ausweisung seiner Eltern etwas mit seinem Handeln zu tun hatten. Im Jahr 1938 hatten die Nationalsozialisten alle jüdischen Bürger mit deutscher und polnischer Staatsbürgerschaft ausgewiesen. Darunter befanden sich auch die Eltern Herschel Grünspans. Da der polnische Staat sich weigerte die Abgeschobenen aufzunehmen, mussten sie sich in den Grenzwäldern zwischen beiden Ländern versuchen durchzuschlagen. Grünspan begann daraufhin wohl eine sexuelle Beziehung mit dem Legationssekretär in Paris, um über diesen an Papiere für seine Eltern zu gelangen. Diese wurden ihm sehr wahrscheinlich auch für seine „Dienste“ versprochen. Als dann vom Rath sein Versprechen nicht mehr halten wollte, schließlich stand für ihn ja auch viel auf dem Spiel, denn Homosexualität war in Augen der Nationalsozialisten ein absolutes Tabu, schoss Grünspan in seiner Verzweiflung auf ihn.


Diesen „Anschlag“ und das wenige Tage spätere Ableben des Botschafts-mitarbeiters nahmen die in München versammelten Nationalsozialisten, dort wollten sie den sogenannten Hitler-Putsch feiern, zum Anlass, um reichsweit Aktionen gegen Juden und ihre Sympathisanten zu befehlen. In einer nicht überlieferten Rede des Propagandaministers Joseph Goebbels wurden die auf der Feier anwesenden Parteigenossen angewiesen, diesbezügliche Befehle an die ihnen unterstellten Behörden weiterzugeben. 
Auch in Bingen kamen die Befehle an. Dort wurden Ingelheimer SA-Männer eingesetzt, um die Übergriffe durchzuführen. Man vertraute beim Vorgehen mit Absicht auf örtlich nicht bekannte Personen, um das Bild einer spontanen Volkserhebung zu unterstreichen. Jedoch zeigen Berichte der Geheimpolizei der SS, des SD (Sicherheitsdienst), dass die Mehrheit der Bürger wusste wer für die Ausschreitungen verantwortlich war.
Im Rahmen der Gedenkveranstaltung an der ehemaligen jüdischen Synagoge in der Rochusstraße, nahmen Schüler der Geschichts-AG teil, indem sie folgenden kurzen Text, der die damaligen Geschehnisse nachzeichnete, vorlasen: 
Der AKJB (Arbeitskreis jüdisches Bingen) hatte bereits 2010 gefordert, die Binger Nazizeit zu erforschen. Mit dem Buch Bingen im Nationalsozialismus wurde im vorigen Jahr damit begonnen. In diesem Buch untersuchte die Historikerin, Frau Dr. Bernard, auch die Vorgänge um die Zerstörung der Binger Synagoge im Rahmen der sogenannten “Judenaktion“ im November 1938. Danach war der Ablauf wie folgt: 
•    In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen Unbekannte in die Synagoge ein und steckten Bänke mit einer brennbaren Flüssigkeit in Brand. Die Hausmeisterin Elisabeth Dunér und Karl Koppel löschten den Brand mit einem Schaumlöschgerät. 

•    Nathan Loeb erstatte deshalb zwischen 5.30 und 6.00 Uhr Anzeige bei der Polizei, worauf die Kripobeamten Rust und Mehren verständigt wurden, die den Tatbestand - Brandspuren an einigen Bänken und in der Sakristei - an Ort und Stelle aufnahmen.


•    Um 8.00 Uhr verständigte Herr Loeb wieder die Polizei. Einige Unbekannte drangen erneut in die Synagoge ein.

•    9.00 Uhr erneute Brandstiftung an der Synagoge in der Rochusstraße. Tor und brennende Gegenstände liegen auf der Straße. Beginn der Demolierung der Synagoge in der Rochusstraße.

•    Die Zerstörung der Synagoge wird von der Binger SA-Führung im Zusammenwirken mit der Bürgermeisterei der Stadt Bingen sowie mit Unterstützung von Angehörigen des Gaswerks Bingen und der Firma Richtberg durchgeführt. Die Feuerwehr wird verständigt.


•    Das Löwenrelief wurde von dem beim Gaswerk beschäftigen Müller zerschlagen. Der Zionsstern wurde - angeblich im Auftrag der Stadtverwaltung – vom Dachdecker Karl Lahmer entfernt. 

•    Im Laufe des Nachmittags wird in dieser Synagoge die Wohnung von Lehrer Weis zerstört. 


•    Gegen 16.00 Uhr wird in der Synagoge Rochusstraße Brand gelegt und gegen 17.00 Uhr erfolgt Brandstiftung in der Synagoge Amtsstraße.

•    Gegen 22.00 Uhr trifft ein LKW mit SA-Männern aus Ingelheim, befehligt von dem ehemaligen Ingelheimer Rektor Adolf Mathes, ein. Sie demolierten Wohnungen von Juden, insbesondere die Wohnung der Weinhandlung Roos in der Mainzer Straße. Weitere Zerstörungen wurden von Herrn Rust und SS-Sturmbannführer Rütz unterbunden.


Auch in den kommenden Jahren wird sich die Schule an den Gedenk-veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis jüdisches Bingen beteiligen, um die damaligen schrecklichen Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

ZU BESUCH BEI DER THEATERCOLLAGE „SIE NANNTEN SICH ALTE KÄMPFERINNEN“

26 Schüler der 10. Jahrgangsstufe und der Geschichts-AG machten sich zusammen mit ihren Lehrern Barbara Junge und Marcel Griesang auf den Weg nach Mainz, um dort in den Kammerspielen die Theatercollage „Sie nannten sich Alte Kämpferinnen“ zu sehen. 
Die Frage, aus welchen Gründen viele Deutsche Adolf Hitler schon lange Zeit vor der sogenannten Machtergreifung bedingungslose folgten und ihn in seiner Sache unterstützen, stellte sich der amerikanische Soziologe Theodor Abel bereits im Jahr 1934. Um an möglichst authentische Aussagen zu kommen, inserierte er mit folgender Annonce in den bekannten Parteiblättern der NSDAP: „400 Mark zu gewinnen, für die beste Lebensgeschichte eines Anhängers der Hitler-Bewegung“. Teilnehmen durfte nur, wer bereits vor 1928 Mitglied der Partei geworden war. Insgesamt erhielt Abel etwa 683 Zuschriften. Darunter waren auch 36 Aufsätze von Frauen im Alter von 17 bis 73 Jahren. Die Beweggründe für die Unterstützung Hitlers waren dabei sehr vielfältig. Einige der Frauen sehnten sich nach einem wiedererstarkten Deutschland nach dem verlorenen Weltkrieg und damit einer Rückgängigmachung des Versailler Vertrages, der Deutschland unter anderem die Alleinschuld am 1. Weltkrieg gab. Andere waren komplett von der Aura Hitlers und seinem Auftreten eingenommen. Wiederum andere Frauen erhofften sich von ihm einen wirtschaftlichen Aufschwung und damit ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen. Der Weimarer Republik trauten die Frauen eine Verbesserung der Lage alle- samt nicht mehr zu. 
Besonders beeindruckend für die Schüler war das Schicksal der zum Zeitpunkt der Einsendung des Aufsatzes 17 jährigen Lissy Schneider. Bei ihrem Onkel, so erzählte sie, sei sie zum ersten Mal mit der Person Hitlers in den Erzählungen ihres Onkels in Kontakt gekommen. Ihr Onkel hob dabei die heldenhaften Taten des Führers im Weltkrieg hervor und die Gründung seiner Partei in München. Diese Geschichten faszinierten sie so sehr, dass ihr Onkel ihr jeden Abend vor dem zu Bett gehen von Hitler erzählen musste. Die Bewunderung ging sogar so weit, dass die junge Schülerin ein Bild des Reichskanzler, das sie von ihrem Onkel erhalten hatte, sogar als ihr „kleines Heiligtum“ bezeichnete. Sie machte es sich sogar zu Aufgabe, ihre Mitschüler von diesem Zeitpunkt an „von der nationalsozialistischen Bewegung zu erzählen und sie, so gut wie möglich, darüber aufzuklären“. 1932 schrieb Lissy dann auch zum Aufsatzthema, was sie sich von der Reichspräsidentenwahl 1932 erwarte, das nur Adolf Hitler das Rennen machen könne. Ihren Aufsatz schloss sie mit den Worten „Heil Hitler“. Als ihre Lehrerin dies sah, tadelte sie ihre Schülerin schwer. Daraufhin sprang das Mädchen auf, streckte ihre Arm aus und erwiderte der Lehrerin „Jawohl Heil Hitler“. Als daraufhin in der gesamten Klasse ein großer Tumult ausbrach, meinte Lissy Schneider beobachten zu können, dass die jüdischen Mitschüler ihr am liebsten „die Augen ausgekratzt“ hätten. Sie blieb jedoch ganz ruhig und erwiderte ihren Mitschülern „regt euch nur nicht auf. Ich werde Euch später mal an diesen Vorfall erinnern“. Gerade diese Drohung sollte leider wenige Jahre später für viele anfängliche Gegner der Nationalsozialisten traurige Wahrheit werden und die Meisten zahlten ihren Widerstand schließlich mit dem eigenen Leben. Lissy Schneider gründete 1932 den NS Schülerinnenbund und am 30. Januar 1933, also am Tag an dem Adolf Hitler die Reichskanzlerschaft übertragen wurde, hielt sie zufrieden in ihrem Aufsatz fest „da war auch ich stolz, ein wenig für diesen Sieg mitgekämpft zu haben“. 
Ein weiteres Schicksal, das den Schülern besonders in Erinnerung blieb, war das der 1933 42 jährigen Lisi Paupie. Diese war, nachdem ihr Mann an den Folgen einer Verwundung im 1. Weltkrieg nach nur etwas mehr als einem Jahr Ehe gestorben war, alleine für die Erziehung ihres gemeinsamen Sohnes zuständig. Sie war nahezu mittellos und suchte nach einem „Retter“ für ihre kleine Familie. Diesen, so schrieb sie in ihrem Aufsatz an Abel, fand sie dann in der Person Adolf Hitlers. Dieses Gefühl wurde dann noch bestärkt, als ihr Vetter im Rahmen des sogenannten Hitlerputsches 1923 an der Feldherrnhalle in München im Kugelhagel starb. Besonders erschreckend in ihren Ausführungen ist der Satz, dass sie „als Mutter eines einzigen Kindes dazu bereit sei es dem Führer zu geben“. Dies sollte vor allem in den letzten Kriegstagen im Mai 1945 für viele tausende verblendete Jugendliche traurige Wahrheit werden. Über dem Bett ihres Jungen brachte sie die Worte „Was würde der Führer dazu sagen?“ an. Ihr Leitspruch bei der Erziehung ihres Sohnes war demgemäß auch “Treue, Glaube, Disziplin, Gehorsam, Pflichtbewusstsein, Menschenliebe, Tierliebe, Achtung vor den Geschöpfen Gottes, in Natur, und Tierleben“. Diese Ansichten hatte sie, so ihre Ausführungen weiter, alles im „Buch des Führers, Mein Kampf,“ gefunden. 
In nahezu allen Ausführungen der „Alten Kämpferinnen“, so bezeichnete man die Frauen, die schon vor 1928 der Partei beigetreten waren, schwang ein starker Antisemitismus mit. Viele sahen in den jüdischen Mitbürgern Verräter, die auch für die Niederlage im Ersten Weltkrieg mit verantwortlich gewesen sein sollen. 
Am Ende der 90 minütigen Vorstellung waren die Schüler von den schauspielerischen Leistungen der Darsteller sehr begeistert. Fassungslos waren sie jedoch bezüglich der gerade gehörten Inhalte. Der Fanatismus, mit dem die Frauen von ihrem großen Idol berichtet hatten, ließ die Schüler, besonders mit dem Wissen, was in den folgenden Jahren in Deutschland und Europa geschehen sollte, erschaudern. Zum Zeitpunkt, als die Berichte der Frauen nach Amerika gesendet wurden, gab es schon hunderte Konzentrationslager und Gefängnisse, wo unliebsame „Volksgenossen“ gequält und ermordet wurden. Ob die Frauen davon wussten, konnte man den Briefen leider nicht entnehmen. Es ist aber davon auszugehen, dass sie zumindest gerüchteweise davon Kenntnis hatten. Gerne würde man sie mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten konfrontieren und sehen, was sie zu erwidern hätten.

VERDUN - EIN EUROPÄISCHER ERINNERUNGSORT

Im November besichtigten wir mit zusammen mit unseren Geschichtslehrern Herrn Marcel Griesang, Mareike Albert und Barbara Junge das ehemalige Schlachtfeld von Verdun in Frankreich. Unter anderem besichtigten die Schüler der 10. Klassen und einige Schüler der Geschichts-AG folgende Punkte: 

das Gebeinehaus(Ossuaire), den Friedhof für die gefallenen französischen Soldaten, den Londoner Laufgraben, die vier Schornsteine(= les quatres cheminées), das Fort Douaument, das Denkmal für gefallene jüdische Soldaten, den Ort Fleury und die Festung Thiaumont. 

Unser erstes Ziel nach der Ankunft war das Gebeinehaus(Ossuaire). Im Gebeinehaus liegen die Überreste von etwa 150.000 unbekannten gefallenen französischen und deutschen Soldaten. Da die Gebeine bzw. die Überreste allerdings nicht zugeordnet werden konnten, können die Überreste natürlich auch von Soldaten anderer Nationalitäten sein. Unmittelbar gegenüber des Gebeinehauses befindet sich der Friedhof für gefallene französische Soldaten. Deutsche Friedhöfe findet man unmittelbar auf diesem Gelände nicht, da die Franzosen lange Zeit wollten, dass Verdun ein Ort der französischen Trauer und Erinnerung ist. Auch wenn Deutschland und Frankreich, im Vergleich zu vor 100 Jahren, heute viele Freundschaften bilden, akzeptieren die Deutschen die französische Seite. Etwa 15.000 Soldaten liegen auf diesem Friedhof begraben und Angehörige kommen bis heute noch zu den Grabmälern, um zu trauern und zu erinnern. 

Das Denkmal für gefallene jüdische Soldaten war ebenso eine weitere Station, die wir uns angeschaut haben. Während des 1.Weltkriegs wurden nicht nur christliche und muslimische Soldaten an der Front eingesetzt, sondern auch viele jüdische Soldaten. Das Denkmal wurde für Juden errichtet, die im Krieg für ihr Vaterland kämpften. Als die Nazis 1940 im Rahmen des Frankreichfeldzugs die Region um Verdun eroberten, musste das Denkmal vorsichtshalber mit einem Tuch abgehängt werden, denn der 2.Weltkrieg war ja hauptsächlich durch den Antisemitismus und die damit verbundenen Absichten der Nationalsozialisten ausgelöst worden. Um das Denkmal zu schützen, wurde das Tuch darüber gehangen.

Die Festung Thiaumont diente 1916 als ein Unterstand für Soldaten und war für die Soldaten dementsprechend ein wichtiger Ort. Doch aufgrund des starken Beschusses während des Krieges, ist heute bis auf ein paar Betonreste und Beobachtungskuppeln nicht viel zu sehen. 

Auch den Ort Fleury besichtigten wir. Fleury war ein ganz besonderer Ort. Er wurde im Krieg komplett zerstört und nie wieder aufgebaut. Die ca. 600 Einwohner, vergleichbar mit dem Herkunftsort eines Schülers Oberheimbach, die Fleury vor der Zerstörung hatte, mussten innerhalb kürzester Zeit ihre Heimat verlassen. Ebenso wie Fleury wurden noch acht weitere Orte komplett zerstört und nicht wieder aufgebaut. An Fleury erinnert heute nur noch wenig und da wo einst Häuser standen, stehen heute Pfosten, auf denen geschrieben steht, was dort einmal war. Die Wege können noch abgegangen werden, doch mehr als die Kirche, die als einziges wieder errichtet wurde, ist nicht zu sehen. 

Die vier Schornsteine(=les quatres cheminées) dienten als Truppenlager für verwundete Soldaten. Hier kamen Soldaten hin, die im Krieg verletzt wurden und auf ärztliche Versorgung angewiesen waren. Die Zustände, die in dem dunklen Gang herrschten, waren aber alles andere als gut. Die Verletzten waren mit sehr vielen in einem engen, unhygienischen Raum und hofften auf Versorgung. Durch die schlimmen Zustände in dem Gang übertrugen sich oft Krankheiten und die meisten Menschen starben an ihren Verletzungen. An sauberes und hygienisches  Versorgen der Wunden konnte nicht gedacht werden, denn es musste alles schnell gehen. Teilweise wurden sogar Operation/Amputationen ohne Betäubungsmittel durchgeführt.

Der Londoner Laufgraben war nicht wie die vielen  anderen Gräben ein normaler Schützengraben, sondern er diente zum Übermitteln von Nachrichten entlang nahezu der gesamten Front von Verdun. Der Laufgraben war einer der am besten ausgebauten Gräben und viele Soldaten empfanden ihn als sicherer, was aber nicht immer der Fall war. Aufgrund seiner Länge kam es den dort eingesetzten Soldaten so vor, als führe er geradewegs in die Hauptstadt Englands. 

Das Fort Douaumont ist das wichtigste und wohl bekannteste Fort des Schlachtfeldes von Verdun. Die gigantische Festung diente als Rückzugsort bzw. Ruhelager für Soldaten, wenn mal Feuerpause war und sie nicht an der Front im Kampf eingesetzt waren. Doch am 8. Mai 1916 täuschte das anfangs sichere Gefühl. Es kam zu einer Explosion durch zwischengelagerte Munition und allein an diesem Tag fanden 680 deutsche Soldaten den Tod. Aufgrund der nicht vorhandenen Möglichkeiten der Beisetzung und vor allem wegen des Zeitmangels, entschieden sich die verbliebenen Soldaten eine Mauer im Gang des Unglücks zu errichten und so ein Grab für die Soldaten zu schaffen. Um die Totenruhe nicht zu stören, ist an dieser Stelle des Forts besondere Ruhe angesagt und man sollte einen Moment im Gedenken an die gefallenen Soldaten innehalten. 

Um ein abschließendes Fazit vom Besuch in Verdun zu ziehen, ist meiner Meinung nach zu sagen, dass es sich auf jeden Fall lohnt, die einzelnen Besichtigungspunkte anzuschauen. Auch wenn es Anblicke sind, die den ein oder anderen tief berühren, ist dieser Ort sehr wichtig und das Nachdenken über solche Orte ist ja genau das Ziel einer solchen Fahrt. Ein Besuch lohnt sich außerdem noch, da die Unterrichtsinhalte so besser vorstellbar werden und wir Schüler die Möglichkeit haben, uns ein eigenes Bild der damaligen Geschehnisse zu machen. Ich persönlich finde es wichtig, dass gerade wir jungen Menschen uns solche Schauplätze der vergangenen Zeit ansehen, weil wir die Generation sind, die dazu beiträgt, dass kein weiterer Krieg ausbricht. Es gab schon zwei schreckliche Weltkriege mit vielen Millionen Toten und wir können in der Zukunft dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich beziehungsweise unter den Ländern Europas sollte stets unser größtes Ziel sein.

Text: Marcel Griesang