Schüler erinnern an die schrecklichen Ereignisse der Reichspogromnacht im Jahr 1938
Auch in diesem Jahr nahm die Geschichts-AG der Rochus Realschule Bingen an den Gedenkfeierlichkeiten zu den schrecklichen Geschehnissen der Reichspogromnacht in Bingen teil.
In ihrem Vortrag stellten die Schüler/innen die momentanen Entwicklungen im Nahen Osten und auch ihre persönlichen Erfahrungen während des Besuches der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in den Mittelpunkt.
Folgenden Beitrag steuerten die AG Mitglieder dieses Jahr bei:
Heute stehen wir hier, um den Geschehnissen der Reichspogromnacht zu gedenken und an all die Opfer von Antisemitismus zu erinnern. Das ist kein Thema für irgendeine Partei oder Ideologie, denn Antisemitismus bedroht und alle und damit auch unsere Demokratie und freie Gesellschaft. Wahrscheinlich haben Sie schon einmal den Slogan „Free Palestine“ gehört. Viele Menschen und vor allem auch Jugendliche in unserem Alter meinen, das dies Freiheit für Palästina und damit ein eigener unabhängiger Staat für die Palästinenser bedeutet, aber oft folgt diesem Ausspruch auch der Zusatz „From the river tot he sea“. Damit ist ganz klar die Auslöschung des Staates Israel verknüpft. Am 7. Oktober 2023 hat die Hamas mit ihrem Überfall auf friedliche Siedlungen entlang des Gaza Streifens auch diesen Ausspruch großflächig in Umlauf gebracht. Seitdem steigt die antisemitische Gewalt weltweit und besonders auch in Europa an.
Als Deutscher, in einem Land, von dem aus der Mord an 6 Millionen jüdischen Menschen ausging und organisiert wurde, macht mir das große Angst. Deshalb ist es mir und auch den Schüler/innen der Geschichts-AG heute so wichtig zu sagen „wir stehen an der Seite aller Jüdinnen und Juden dieser Welt“.
Im April dieses Jahres waren wir selbst im früheren Vernichtungslager Auschwitz-Bir-kenau. Dort haben wir mit unseren eigenen Augen sehen können, wozu Hass und Vorurteile führen können. Uns sind dabei viele Gedanken durch den Kopf gegangen und einer der an der Fahrt beteiligten Schüler schrieb folgende Zeilen im Anschluss an den Besuch des Lagers nieder, die wir ihnen hiermit auf den Weg geben möchten und die wir bewusst unkommentiert lassen.
Ich spüre die Enttäuschung tief in meinem Herzen
Ich frage mich, wie Menschen so etwas machen können
Die Luft schweigt, doch die Wände schreien
Mich verfolgen die Schreie von über eine Millionen Menschen
AG Schüler nehmen aktiv am Volkstrauertag teil
Wie in jedem Jahr nahmen die AG Schüler/innen an den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag in Bingen teil. In diesem Jahr kam man zu diesem Anlass in der Katholischen Kirche in Sponsheim zusammen.
Zu diesem Zweck hatten Schüler/innen ein Plakat mit einer Mohnblume und weitere Mohnblumen aus Krepppapier gestaltet. Folgender Beitrag wurde von der AG beigesteuert:
Die Mohnblume, ist bei den Feierlichkeiten des Volkstrauertages ein weit verbreitetes Symbol für Gedenken und Trauer. Sie wird insbesondere in Großbritannien und Kanada zum Remembrance Day getragen und erinnert uns an die Millionen von Menschen, die im Krieg gestorben sind.
Wir halten diese Blume für ein passendes Symbol für einen Gedenktag wie den heutigen, da das Rot der Blume, das Blut der Toten passend symbolisiert und die schwarzen Elemente für die Trauer stehen.
Doch die Mohnblume hat auch noch eine andere Bedeutung: Sie ist ein Symbol der Hoffnung.
Sie steht dafür, dass das Leben weitergeht, schließlich wuchs sie selbst auf den schlammigen und bis zur Unkenntlichkeit verwüsteten Schlachtfeldern des Weltkrieges.
Wir könnten uns daher wirklich kein besseres Symbol vorstellen, wenn die Blume denn für die Opfer aller kriegerischen Auseinandersetzungen steht, denn ein Tag wie der heutige darf nicht für Propaganda und eine Art der Heldenverehrung benutzt werden.
Auf unserer jährlichen Gedenkfahrt nach Verdun in Frankreich sehen wir, welches Leid Krieg mit sich bringt.
Dies wird einem besonders am sogenannten Beinhaus bewusst, wo man durch kleine Fenster die Überreste von über einhundertausend toten Soldaten sehen kann. Die Schädel,Schulterknochen und Kiefer sehen alle gleich aus und es lässt sich nicht sagen, welche Nationalität das Opfer hatte.
Der Tod und die damit verbundenen Schicksale, sind für alle gleich und für die Opfer wie auch ihre Familien bringen sie unvorstellbares Leid.
Die Kämpfe um Verdun stehen sinnbildlich für die Opfer des 1. Weltkriegs und das damit verbundene Leid für alle Nationen. Vor einigen Jahren hat ein ehemaliger Schüler unserer AG folgende, unserer Meinung nach, sehr passenden Zeilen im Anschluss an den Besuch von Verdun gefunden.
Verdun 1916 (ein Gedicht von Christian Frowein)
Verdun, die glorreiche Schlacht in Frankreich,
zahlte es den Deutschen gewaltig heim.
Der Kampf ging fast nur vor und zurück
und daher hatten beide Seiten kein Glück.
Die Meisten starben unter Geschossen und Garben
von mehr als 50 Millionen Granaten und das in ihrem Graben.
700.000 Soldaten verloren hier ihr Leben,
heutzutage wäre wohl ein jeder dagegen.
Doch niemand hatte damals eine Wahl,
es war schließlich für jeden eine Qual.
So etwas darf nicht mehr passieren,
bevor wir uns noch alle selbst ausradieren.
Wie sollte es denn ausgehen?
Beide Seiten waren fest entschlossen.
Mit eisernen Blicken und Augen aus Stahl,
um zu gewinnen und schließlich zu strahl‘n.
Als Sieger ging jedoch keiner hervor
und niemand reckte am Ende triumphal die Faust des Sieges empor.
In diesem Jahr jährte sich das Ende des 2. Weltkriegs zum 80 Mal. Das Ende des 1. Weltkriegs jährt sich im November bereits zum 107 Mal.
Ein Tag wie der heutige und auch Besuche an Orten wie Verdun müssen uns eine Mahnung für die Zukunft sein. Frieden muss bewahrt werden und Erinnerung ist ein wichtiger Schritt dabei.